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30.09.2017

Franz-Josef Heil: 40 Jahre Diakon

Am Sonntag 03.09.2017 hat die Pfarrei St. Elisabeth in Bad Schwalbach mit Diakon Franz-Josef Heil sein 40-jähriges Weihejubiläum als ständiger Diakon gefeiert.

Seine Predigt gibt einen Überblick über seinen Dienst als Diakon:

 

Liebe Geschwister im Glauben, liebe Mitbrüder im Geistlichen Amt!

Seit 40 Jahren gibt es in Bad Schwalbach einen ständigen Diakon. „Diakon“ heißt Diener, Helfer.

Die Apostel haben durch Handauflegung Männer ins Amt gerufen für die Armenhilfe in der Gemeinde, später wurden sie auch Helfer der Bischöfe. Bis ins 9. Jh. hatten sie in vielen Bereichen der Kirche eine große Bedeutung. Danach gab es nur vereinzelt ständige Diakone, wie z.B. den hl. Franziskus.

Der Diakon wirkt mit bei der Eucharistiefeier. Er predigt, er tauft in feierlicher Form, spendet die hl. Kommunion und bringt sie zu den Kranken, was mir ganz wichtig erscheint und mehr wahrgenommen werden könnte. Er hält Gebetsgottesdienste, Katechesen und betet das kirchliche Stundengebet: Das Morgen und Abendlob aus dem Brevier.

Wo wir miteinander und füreinander beten, da ereignet sich Kirche. Seit dem 2. Vatikanischen Konzil ist der Diakonat, der zwischenzeitlich fast nur noch eine Durchgangsstation zum Priestertum war, wieder ein eigenständiges Amt, das auch verheirateten Männern offen steht. Die Konzilsväter wollten daran erinnern, dass jedes Amt in der Kirche ein Dienstamt ist. Christus hat gesagt: „Ich bin nicht gekommen, mich bedienen zu lassen, sondern zu dienen“.

Er ist der Urtyp des Diakons.

Außerdem sollten die Diakone mit Zivilberuf - also jene, die nicht vom Bischof besoldet werden und ihre Dienste in ihrer freien Zeit erbringen - auf die Fülle der Möglichkeiten und Notwendigkeiten in der Kirche verweisen. So haben wir Diakone, die in ihrem Hauptberuf Ärzte, Manager, Handwerker, Kaufleute, Lehrer und Soldaten sind.

Wie kam ich zu diesem Amt?

Ich stand der Kirche immer nahe. Mit acht Jahren begann ich zu ministrieren und tat dies noch lange bis in meine Studentenzeit. Ich war gerne in kirchlichen Jugendgruppen; zuletzt bei den Pfadfindern. Die Kirche war mir Heimat; dort traf ich Menschen, mit denen ich gerne zu tun hatte, dort erfuhr ich Anregung  und Förderung.

Das Konzil in Rom weckte die Neugier auf das Neue, das sich vielerorts regte; ich beschäftigte mich nebenbei mit Theologie, obwohl Geschichte und Germanistik meine Fächer sind.

Es ging mir ähnlich wie dem Propheten Jeremia in der eben gehörten Lesung: „Du hast mich betört o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt.“

Die Gottesfrage hat mich fasziniert und nicht losgelassen. Ein anderes Wort dieses Propheten aus seiner Berufungsgeschichte hat mich seit meiner Schulzeit begleitet: „Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden. Fürchte dich nicht… denn ich bin mit dir.“

So haben sich verschiedene Lebenslinien überkreuzt, und die Entscheidung, mich für dieses Amt bereitzuhalten, musste fallen. In Übereinstimmung mit meiner Frau, ohne die all’ dies überhaupt nicht möglich gewesen wäre, ließ ich mich vor 40 Jahren zum Diakon weihen.

Die Weihe konnte damals nicht im Dom zu Limburg stattfinden, weil dieser aufwendig restauriert wurde. Mir war dies ein zeichenhafter Hinweis: Kirche ist immer zu erneuern, nicht nur die Gebäude, auch die „lebendigen Steine“. Reform ist ein ständiger Vorgang, immer ist etwas zu verbessern, wir müssen täglich dazu bereit sein; so habe ich Kirche erlebt. Jubiläen taugen wenig, wenn das Evangelium aus dem Blick gerät und die Frage nach der Wahrheit nicht mehr gestellt wird. Wir haben ja nicht unsere Weisheit zu verbreiten.

„Wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist, das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“

So habe ich getan, was Diakonen aufgetragen ist: Wortgottesdienste gefeiert, gepredigt, über die Gottsuche in der modernen Literatur referiert, getauft, getraut, beerdigt. Und weil ich der Meinung bin, dass Heiligkeit und Heiterkeit nicht gar so weit auseinander liegen, sich auch ein paar Büttenreden abgefallen.

In diesen Jahren bin ich vielen guten Menschen begegnet, durfte mit manchen ein Stück gemeinsamen Weges gehen.

Dafür danke ich sehr! Auch der Gemeinde, die so ist, dass der Bischof einen aus ihr herausrufen kann.

Ganz besonders danke ich meiner Familie, die mich trägt und zu mir steht.

Ich wünsche uns, die Dienstbereitschaft möge bei uns nicht nachlassen. Tatsächlich sind ja eine Reihe von Berufen entstanden, in denen das, was Diakone tun, getan wird. Ohne die pastoralen Berufe wären unsere Gemeinden ärmer. Ganz zu schweigen von den unermüdlichen Ehrenamtlichen, die eine große Summe diakonischer Dienste erbringen.

Das Helfen ist heute sehr kompliziert geworden: Wir brauchen viele und sachkundige Diener, um erfolgreich zu helfen; denken wir zum Beispiel nur an den Bereich der Heilberufe oder der Pädagogik - zwei Wirkfelder, auf denen die Kirche seit Jahrhunderten eine große Wirksamkeit entfaltet.

Aber ich wünsche mir doch auch, dass wieder ein „klassischer“ Diakon aus unserer Gemeinde erwächst, an dem ablesbar wird, was Christus meint, wenn er sagt: „Ich bin gekommen zu dienen.“

Und wieder einer dazukommt, der das Gebet der Kirche mitbetet, und das Lob Gottes in unserer Gemeinde nicht verstummt.

Ja, so soll es sein, Amen.

 

Fotos: Cordula Lammel, Markus Raile

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